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Rodolfos Blue Jeans Extreme Collection (seit 1973)

 

Ein typisches Abnutzungsdetail vom Hosensack vorne, verursacht durch volle Hosensäcke sowie häufigen Arbeitsabläufen mit stetem Stoffkontakt (z.B. Erde schaufeln, Kisten tragen)

Ruedi Karrer startete 1973 in Graubünden mit der Sammlung extremstens ausgetragener Blue Jeanshosen und Jacken. Seit 1980 wird die Sammlung in Zürich laufend ausgebaut. Bis Herbst 2001 wurden über 8000 Hosen und Jacken aus aller Welt gesammelt, von Internetauktionen, Auslandreisen, Secondhandläden, Flohmärkten bis zu besetzen Häusern, Abfalldeponien oder auch von direkt auf der Strasse angesprochenen Leuten. Die meisten Jeanskleider stammen von Arbeitern, Cowboys, Farmern, Jeanspuritaner und Menschen aus der Alternativszene. Die Sammlung dokumentiert die Extremnutzung des wichtigsten Kleidungsstücks unserer Zeit als Arbeits- u. Freizeitkleidung, als Kultobjekt, Status- und Fetischsymbol zwischen Mythos und Abfall. Sammelschwerpunkte sind alle Jeanshosen u. Jacken vor 1980, sowie neu nachgemachte Originalstoffmodelle (Ring Ring Denim, Selvaged Jeans) von neu bis absolut totgetragen. Wichtigste vertretene Marken sind: Levi's, Lee, Wrangler, Big Star, Carhartt, Diesel, Edwin, Evisu, G-Star, Lee Cooper, Lois, Pepe, Marcel Scheiner, Rifle von 1930 bis heute. Ergänzt wird die Sammlung mit einiger Jeansliteratur, Zeitungsartikel, Werbeausschnitte. Langfristig ist ein kleines Jeansmuseum geplant.

Diese klassische Levi's 559 Big E blanket lined Jacke wurde von einem Holzfäller aus den Rockies im Nordwesten der USA aus den 50-er Jahren über Jahrzehnte krass totgetragen und nie gewaschen, was der harte brettartige Stoff, sowie die noch fast schwarze Indigofarbe bei geschützten Stoffstellen aufzeigt. Auch die abgebildete Levi's 501 red lines Jeans aus den 70-er Jahren hat ein Strassenarbeiter aus Utah wohl längst mehr als amortisiert.

Bei der Jacke entstehen die grössten Belastungen bei den Ellbogen, der Krageninnenseite sowie bei der Schulternaht. Dieser Ärmel weist auf eine stark armbetonte Arbeitstätigkeit des Besitzers (ein Cowboy aus den West USA) hin. (Lee Storm Rider 101-LJ blanket lined Jeansjacke von ca. 1965)

Die Kniegegend/ Oberschenkel vorne, sowie der Sitzflächenbereich ist bei einer Jeans der grössten Belastung ausgesetzt. Bei der schwächsten Stelle reisst der blau gefärbte Kettgarn ein und zurück bleiben bei einer fortgestzten Abnützung nur noch die weissen dickeren Schussgarne, bis auch die später reissen und ein richtiges Loch entsteht.

(Detail der links abgebildeten Jacke) Dieser Ärmel hat nun wirklich alles mitgemacht.

   


 

Japanese Punker Jeans

 
 

Diese alte Blue Jeanshose (Big Smith, USA ca. 1965) war der totale Stolz eines japanischen Punkers und Architekturstudenten. Er hatte sie über mehrere Jahre Tag und Nacht getragen und nie gewaschen. Als Ruedi Karrer ihn 1998 mit drei Studienkollegen durch das Zürcher Niederdorf schlendern sah, hatte er sofort das Mittagessen unterbrochen und diese Hose nach dreistündigem Überredungskampf gegen eine fabrikneue Levi's 505 shrink to fit-Jeans von Frankreich aus dem Jahre 1975 tauschen können. Sie wollten alles über alte Jeans wissen, wühlten sich bei ihm zu Hause gierig durch die grosse Sammlung und es fiel ihnen äusserst schwer, sich wieder davon zu trennen. Vielleicht kommt die neue Levi's Jeans in 10 Jahren wieder totgetragen in die Sammlung zurück.

Big Smith Jeans (USA, ca. 1970)